aporia.vision

5.1 Die Dinge bei Heidegger (Bezug zu Wittgenstein und Marx) „Zeug“

Veranstaltung vom12.05.2016

von Andrea

In „Sein und Zeit“ heißt es:

Ein Zeug  »ist«  strenggenommen  nie.  Zum  Sein  von  Zeug gehört  je  immer  ein  Zeugganzes,  darin  es  dieses  Zeug  sein  kann, das es ist. Zeug ist wesenhaft »etwas, um zu… «. (SZ, 19. Aufl. S 68)

Diese Textstelle ruft die Erinnerung an Wittgenstein´s Tractatus logico philisophicus hervor. Es handelt sich bei der zitierten Stelle aus „Sein und Zeit“ um eine Auseinandersetzung mit den wittgensteinschen Vorstellungen.

Zur Erinnerung:

Nach der von Wittgenstein im Tractaus vertretenen Ontologie sind Sachverhalte neben den Gegenständen die grundlegenden Kategorien .

Sachverhalte können bestehen oder nicht bestehen, Gegenstände sind dagegen unveränderlich und allen möglichen Welten gemein.

Die Welt ist nach Wittgenstein keine Liste sie ausmachender Dinge oder Gegenstände, sondern erscheint in deren Verbindung (Anordnung): Dieselben Dinge können in verschiedenster Weise verbunden sein und bilden so verschiedene Sachverhalte.

Im Tractatus heißt es:

Die Welt ist alles, was der Fall ist. (TLP 1)

Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge. (TLP 1.1)

Die Welt zerfällt in Tatsachen. (TLP 1.2)

Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen. (Sachen, Dingen.) (TLP 2.01)

Heideggers Kritik an der Wittgensteinschen Aufassung

Nach Heidegger ist der alltägliche Umgang mit Dingen auf ihre Funktion bezogen bzw. beschränkt ist, ihr Um-Zu ist; das Zeug beinhaltet als solches eine Verweisung auf anderes Zeug (Materialien), auf ein Werk, und auf das jeweilige Dasein (Mensch) das dieses Zeug benutzt.

Dies hat Folgen für die Möglichkeit einer „Erkenntnis“ der Dinge. Man kann das Zeug nämlich nur während der Benutzung, innerhalb eines Zeugzusammenhangs, „erkennen“.

Bei Wittgenstein gab es noch Gegenstände „als solche“.

Heidegger nimmt zudem Bezug auf Marx:

Sollen  wir  uns  demnach  zuvor  an das  Seiende  halten,  bei  dem  sich das Dasein zunächst und zumeist aufhält, an die »wertbehafteten«  Dinge?  Zeigen  nicht  sie  »eigentlich«  die  Welt,  in  der  wir  leben? Vielleicht  zeigen  sie  in  der  Tat  so  etwas  wie Welt«  eindringlicher.  Diese Dinge sind aber doch auch Seiendes »innerhalb« der Welt.  (SZ S 63/64)

Das „Kapital“ beginnt mit dem Kapitel

Die Ware

  1. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert (Wertsubstanz,Wertgröße)Sorge 

Heidegger weist allerdings die Wertbehaftung als Dingtheorie zurück
Er geht von der Begegnung des Daseins mit dem nicht-daseinsmäßigen Seiendem aus. Dadurch kommt er zu einen phänomänologischen Vorrang des Umgangs “ in der Welt und mit dem innerweltlich Seienden“ gegenüber einer Anschauung der Dinge an sich und damit ihres Wertes.
Heideggers Begriff der Weltlichkeit ist auf einen größeren Zusammenhang (Welt) aus. Dieser kann – wie auch bei Wittgenstein- nicht durch eine Beschreibung der Summe alles Seienden gefasst werden.

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