aporia.vision

Das Einkaufdilemma und der Trost in der Philosophie

von Andrea

Einkaufsdilemmata scheinen viele Menschen zu bewegen. Für mich jedenfalls ist Einkaufen schon lange ein (unlösbares) Problem geworden.

Ich bin noch in einer Zeit vor der großen Globalisierung aufgewachsen, als man noch nicht gleich um die Ecke alles aus aller Welt einkaufen konnte. Darum hatte mich das immer größer werdende Warenangebot naturgemäß zunächst fasziniert. Aber irgendwann kamen auch die Zweifel. Durch die Medien schlau gemacht erkannte ich, wer den Preis für diese Üppigkeit zahlt. Und schon war das Thema „ethisch korrekt einkaufen“ nicht mehr zu umgehen und der Stress begann. Lektüren hierzu, z.B.   „die Einkaufsrevolution: Konsumenten entdecken ihre Macht“ von Tanja Busse helfen dabei nicht wirklich weiter.

Ich bin bereits am Einkauf ethisch korrekter Lebensmittel gescheitert. Auf Fleisch zu verzichten, fällt mir nicht schwer.  Sonst hätte ich es vielleicht – wie es eine Freundin tatsächlich gemacht hat – die Republik nach einem Bauern mit anständiger Tierhaltung durchsuchen müssen. Wer meint, das Biosiegel sei hier aussagekräftig, ist noch ganz am Anfang des Wahnsinns. Hat man dann den Bauern gefunden, muß man nachfragen, wo er denn die Tiere schlachten läßt. Den Schlachthof sollte man sich dann auch lieber mal selbst anschauen. (Hat meine Freundin, die Taffe, gemacht).

Oder ist es vielleicht bereits verwerflich überhaupt Tiere zu töten? Aber, was darf man dann noch essen? Eier natürlich nur dann, wenn der Produzent zur „Bruderhuhninitiative“ gehört, wo die männlichen Küken nicht vergast oder geschreddert werden. Aber kann man denn überhaupt Gemüse essen. Ich kenne einen Landwirt, der ganze Tage auf dem Feld verbringt, um Mäuse zu töten, die seine Ernte gefährden. Wer einen Kleingarten hat, weiß, dass man Mitesser wie Schnecken und Raupen nicht durch gutes Zureden los wird.

An dieser Stelle ist bereits klar, dass ich auch als Veganerin hinter meinen ethischen Vorstellungen zurückbliebe und ich muß auch keine weiteren Ausführungen zu Milchprodukten machen (kein schönes Thema, wenn man in die Tiefe geht).

Und bereits der Weg zum Supermarkt oder Bioladen ist nicht unproblematisch. Wieviele kleine Lebewesen sind bereits unter meinen Sohlen oder Fahrradreifen verendet?

Ich kann machen, was ich will, immer werde ich schuldig. Es ist nicht möglich ethisch korrekt zu überleben. Mir bleibt nur noch das Verhungern oder der Trost in der Philosophie. Ich entscheide mich für letzten und suche was zum Thema Schuld.

Karl Jaspers spricht von Tod, Schmerz, Schuld und Kampf als Grenzsituationen. Aus diesen Situationen gibt es nur dann eine Befreiung, wenn der Mensch sie annimmt und ganz bejaht. ( „Der Ursprung in den Grenzsituationen bringt den Grundantrieb, im Scheitern den Weg zum Sein zu gewinnen… In den Grenzsituationen zeigt sich entweder das Nichts, oder es wird fühlbar, was trotz und über allem verschwindenden Weltsein eigentlich ist.“)

Im vollen Bewußtsein meines Scheitern sowie der Akzeptanz desselben fülle ich meinen Einkaufkorb mit leckeren Sachen und gebe mich damit zufrieden „relativ ethisch korrekt“ einzukaufen. Wenn das alle nach ihren Möglichkeiten machen, ist das ja auch schon mal was.

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