aporia.vision

Ergänzungen

#2380
AvatarAndrea
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Hier folgen wichtige Ergänzungen :

Ich sagte, daß sich aus meiner Sicht die Philosophie der Gegenwart immer mehr dem spirituellen Denken nähert. Was ich gut finde, weil nach meiner Vorstellung dem Denken enge Grenzen gesetzt sind, nicht aber dem Bewußtsein (ich benutze den Begriff hier mehr spirituell als philosophisch).

Meine These ist, dass die Gegenwartsphilosophie immer mehr die Grenzen des Denkens mit Begriffen ausgelotet hat. Wir können nur in der Sprache und den geschaffenen Strukturen (Logik etc.) denken und kommunizieren. Aber damit erfassen wir nicht „alles“. Wir haben aber nur diese Mittel, womit wir in der Philosophie arbeiten. Der Finger, der zum Mond zeigt, ist aber nicht der Mond.

Wir glauben auch nicht mehr an die großen Metaerzählungen von Gott und dem „Guten und Wahren“. Denn wir haben mit Nietzsche erkannt, dass diese lediglich Mittel des Willens zur Macht waren und sind.

Ich möchte meine These mit 2 Beispielen unterfüttern

Wittgenstein

Wittgenstein ist bekanntermaßen religiös gewesen, schweigt aber weitgehend über seine religiöse oder spirituelle Auf- bzw. Verfassung denn: “Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen” (Tractatus). “Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist (TLP 6.44). Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich an, es ist das Mystische”. (TLP 6.522) Das“Mystische”zeigt sich also als das Unaussprechliches an der Grenze der Wahrnehmung “der Welt als begrenztem Ganzen”.“Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit” (6.4312)

Heidegger

„Heidegger versucht in den Texten seines Spätwerks etwas unsagbare zu sagen. Deshalb benutzt er eine Redeweise, die halb mystisch, halb poetisch ist, die manchmal die Sprache aber auch vergewaltigt.Vielleicht sollte man die Spätwerke als Gedankenexperimente betrachten. Was Heidegger anstrebt, ist weniger eine neue Philosophie, als vielmehr eine neue Art, die Welt zu betrachten, wobei er durchaus in eine gewisse Nähe zu asiatischen Denkansätzen gerät, namentlich zum Buddhismus und mehr noch zum Daoismus“

(Zitiert nach Siegfried König)

buddhistischen Mystik,

Nach der buddhistischen Lehre können wir durch Denken nicht zur „Erleuchtung“ kommen. Denn das Denken hindert uns an der Wahrnehmung dessen, „was ist“. Das Gehirn denkt halt immer, wie der Darm immer verdaut. Gedanken läßt man gehen. Wie Wolken, die den blauen Himmel verdunkeln, weiterziehen, so kommen und gehen Gedanken und ziehen am Bewußtsei vorbei.

Was zu vermeiden ist, ist eine Identifikation des Bewußtseins mit Gedankeninhalten, weil uns dieses von der unmittelbaren Wahrnehmung wegführt in die konstruierten Welt- und Selbstbilder. Dies führt und in die Verblendung. Buddha sagt, dass ein Mensch, der sich mit seinem Körper identifiziert, närrisch ist, denn der Körper ist flüchtig und verändert sich ständig. Noch närrischer aber sind die Menschen, die sich mit ihrem Denken identifizieren. Denn Gedanken sind noch flüchtiger.

Die Erleuchtung kommt nur in der Gedankenleere. Dann ist das Bewußtsein frei von Identifikation, ganz in seiner Natur. Sat-chit-ananda wie die Yogis sagen: Sein-Bewußtsein-Glückseligkeit.

Wie bei Heidegger und anderen modernen Denkern gibt es auch in der buddhistischen Lehre es kein Subjekt. Das „ich“ ist ein operatives Gebilde, welches Produkt des Denkens ist, nicht Ursache. Es gibt keine Dualität zwischen Subjekt und Objekt.

Christliche Mystik ist vergleichbar. Der Mystiker glaubt nicht an irgendetwas. Ihm geht es nur um seine Erfahrungen. Diese Erfahrungen lassen sich aber nicht wirklich mitteilen. Allenfalls durch Metaphern, z.B. von Avila „innere Burg“.

„Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.“

Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) in: Tractatus Logico-Philosophicus, 1922, 6.52

“Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit” (Tractatus 6.4312). “Das Rätsel gibt es nicht” (6.5),

“Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen. Wenn sich eine Frage überhaupt stellen lässt, so kann sie auch beantwortet werden”. (6.5)

Vielleicht hilft es Dir auch weiter, weil Deine These doch war, dass die Antwort in der Frage enthalten sei. Bei Wittgenstein gibt es die Antwort vor der Frage, auch wenn die Frage der Antwort zeitlich voraus gestellt sein sollte.

Innerhalb der “Logik der Welt”, müssen Antwort wie Frage die Bedingung der methodischen Vergleichbarkeit erfüllen, um sich als “richtig” zu erweisen.

Aber was ist damit schon beantwortet………………………….

Der Welt ein Angebot machen (von Wolfgang Held)

„…Es ist eine der vielen alltäglichen Situationen, die dazu einladen, das zu üben, was zum Erkennen und Verstehen auch gehört: die Vermutung. Sie ist viel mehr als b1oße Spekulation, sie ist nicht willkürlich, schießt nicht ins Blaue, sondern ist ein Angebot an die Welt, eine zugewandte Frage. „Klug zu fragen,
ist die halbe Wahrheit», sagt Francis Bacon – und tatsächlich liegt ein Begriffsangebot zwischen Frage und Antwort..“

Wolfgang He[d

Es ist eine der vielen alltäglichen Situationen, die dazu einladen,
das zu üben, was zum Erkennen undVerstehen auch gehört:
dieVermutung. Sie ist viel n’rehr als b1oße Spekulation, sie
ist nicht r,villkürlich, schießt nicht ins Blaue, sondern ist ein
Ansebot an die Velt, eine zugervandte Frage. uKlug zu fragen,
ist die halbeWahlhsls», sagt Francis Bacon – und tatsächlich iiegt
ein BegriIßangebot zrvischen Frage und Antwort.

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