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Aus welchem Grund sollte es Moral geben?

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  • #2797
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Aus welchem Grund sollte es Moral geben?
    „Moral predigen [ist] eben so leicht als Moral [zu] begründen schwer ist.“ (Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen )
    Und noch zwei weitere schöne Zitate von Nietzsche hierzu:
    1. „Man glaubt mit einem Moralismus ohne religiösen Hintergrund auszukommen: Aber damit ist der Weg zum Nihilismus notwendig.“
    2. “ Naivität, als ob Moral übrig bliebe, wenn der sanktionierende Gott fehlt. Das „Jenseits“ absolut notwendig, wenn der Glaube an Moral aufrechterhalten werden soll.“
    (Nietzsche, Nachgelassene Fragmente. Herbst 1885 – Herbst 1886)
    Sprechen wir tatsächlich nur noch in der überkommenen Sprache der Moral – wie es McIntyre sieht-, während die Begriffen aber inhaltlich entleert sind. Gibt es keinen Inhalt mehr, weil es keinen Grund mehr für Moral gibt?
    Wenn wir seit Nietzsche keine Letztbegründung in Gott oder dem „Guten, Wahren und Schönen“ finden können, bleiben wir über dem Abgrund hängen.
    Sollten wir nun auf die Moral pfeiffen oder sollen wir sie pragmatisch begründen?
    Dann bleibt vielleicht nur noch die Rechtsphilosophie und das Taktgefühl im Alltag je nach Geschmack des Einzelnen.

    #2804
    RainerRainer
    Verwalter

    Vorabgedanken zum Thema: Moral (soll sein)!

    Welt, Leben und Denken ist ein, leider unbequemes, dynamisches System.
    Wahrheit als statisch, endgültig, philosophisch ist das Teil der Sicherheit –
    ein absolutes Teil, das in der wirklichen (erfahrbaren) Welt nicht
    existent ist.

    Die Ahnung davon macht Angst.
    Moral, die ist ein „wünsch-dir-was“, sie passt sich an und gibt sich auf bzw.
    wird aufgegeben, wenn es nötig erscheint.
    Sie ist geprägt durch die Macht (-verhältnisse) und menschliche Stringens
    oder Gleichgültigkeit (dynamisch) – für ein wenig Sicherheit und Mittel
    gegen die Angst.
    Denken ist suchen, erkennen, verwerfen, da die Antwort von neuer Frage überholt wird –
    ein Prozess ohne Ende.

    Und weil dies ein dynamisches System ist, ist auch die Moral keine feste Größe und der
    Veränderung, Verwandlung stetig unterworfen, was für die Moral, die Teil der Rechtsauf-
    fassung geworden ist, zum zerbrechenden Problem wird. Dies gilt auch für moralischen
    Regeln, die der Mensch (wir) verinnerlicht hat.

    Moral ist pragmatisch, nützlich (oportunistisch) auch jenseits vom sogenannten „Guten“.
    [Kampfmoral, Sexualmoral, Arbeitsmoral…]
    „Du sollst nicht töten!“ -> entstanden aus „es macht keinen Sinn bestimmte
    Leute zu töten.“ – andere aber wohl.
    Zu betrachten wäre noch das Verhältnis bzw. der Zusammenhang zwischen Moral und Geschchte,
    Moral und Gesellschaft.

    #2808
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Pragmatische Gründe: Machtausübung und Selbstschutz

    wunderbare Themen (vorherige Antwort)! Die sollten wir diskutieren!
    noch mal zum „warum“: Ich denke wir sind uns einig, dass es keine absolute Begründung für Moral gibt.
    Pragmatische Gründe sind Machtausübung und Selbstschutz sowie das Funktionieren einer Sozietät. Wir haben bereits eine genetische Disposition für Moral, denn die Natur scheint zum Erhalt von Arten auch recht pragmatisch zu sein.
    Die von Dir angerissenen Themen „Moral und Geschichte“/ „Moral und Gesellschaft“gehören zu meinen Lieblingsthemen. Dazu gibt es ja wunderbare Lektüre („Genealogie der Moral“ von Nietzsche sowie das vieles von Foucault) Aber die beiden haben das Thema so breit und genial bearbeitet, dass es schwer sein wird, darüber hinauszugehen.
    Spannend finde ich auch das Thema „wie finden wir gesamtgesellschaftlich einen Konsens zur Moral“, ich denke dabei an Habermas, Popper un co, wobei ich hier den Eindruck nicht loswerde, dass ich mich beim Nachdenken immer wieder in der aporie verlaufe. Bisher konnte mich kein Ansatz überzeugen.

    #2823
    RainerRainer
    Verwalter

    Ein pragmatisches Intermezzo.

    Ich möchte wissen, was richtig ist zu tun, wie ich handeln oder reagieren soll –
    und das möglichst immer, für alle Fälle und wiederholbar – also möglichst bequem.
    Damit es Wirkung hat, sollten auch die anderen diese Regeln („Moral“) teilen.
    Es mögen eine Art Spielregeln sein – alle halten sich daran, (haben dabei noch Vergnügen) und kommen zurecht.

    Einfach aber effizient.

    #2828
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Moralpatentrezept

    Ein schöner Wunsch!
    Wie wär´s mit einem Versuch der Umsetzung?
    Für Dich selbst mag´s vielleicht mit viel Ignoranz für den Einzelfall möglich sein.
    Aber die anderen sollen die Regeln teilen? Da brauchst Du eine Moralpolizei.
    Aber dann fehlt doch der Spaß an der Sache.

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