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Unwohlsein in der Philosophie

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    Beiträge
  • #2364
    RainerRainer
    Verwalter

    Behauptungen

    Einige (mit Philosophie beschäftigte) argumentieren (hier: verteidigen sich)  Erkanntes – von dem sie schon alles zu wissen glauben.

    Für sie ist nicht die Gestaltung, Planung, das (zukünftige) Entstehen wichtig, sondern das Erlangte, erreichte „Wissen“ (das als solches ihre Wahrheit ist).
    ​Im Prinzip wird nicht gestritten um dem Inhalt nahe zu kommen, sondern um der Form, der Menge, der Qualität des Wissens zu genügen.

    Nicht die Suche ist als erste Bedeutung geblieben, es ist das Bestehende.
    Aber nicht die Enzyklopädie, das Sammeln ist entscheidend – Quantität – sondern
    die Interpretation (die Innovation der Idee).

    Weiterdenken ist wichtiger als vermitteltes Wissen (mit Zusatzinfo und –schmuck).

    Wissen ist Sand – Kreativität ist Burg.
    Dieser Ansatz benötigt ganz andere Fragen!

    Vor allem Fragen und nicht vermeintliche Antworten
    [Philosophen dürfen keine Antwortgeber sein, sondern müssen durch Frage erfinderisch
    machen]

    Ein dialektischer Ansatz wäre:
    1. die Frage
    2. die Antwort
    3. die Frage
    ​Die 1, Frage ergibt sich aus der Wahrnehmung durch die Sinne –
    ​keine Frage ohne die Idee einer möglichen Antwort –
    Die Frage impliziert das Wahrscheinliche                   (s.a. mein Beitrag zu Heidegger:
    „jedes Fragen ist ein Suchen“

    A. Was ist eine Frage?

    (Philosophie in der Schule ist ohne „Leben“ – blutleer)

    Was ist das Was einer Frage?

    Das Was ist die Substanz der Frage:
    Substanz 1. : Stoff, Materie
    Substanz 2. : Inhalt an                                                     Gedanken und Ideen

    Wenn das Was die Substanz ist, wäre sie nach Spinozza das göttliche (allumfassende). Eine Frage beinhaltet (wie vor Monaten von mir behauptet)
    also schon die Antwort.
    Die Antwort ist die Substanz – das Was!
    Das ist Inhalt der Frage – und das ist das Suchen nach der Antwort.

    #2368
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Gegenrede

    … das ist sehr kompliziert! Ich weiß nicht, ob ich das alles überhaupt nur ansatzweise verstehe.

    Geht es hier nur um Fragen nach dem „Was“? Oder gibt es dieses von Dir „was“ oder auch „Substanz“ genanntes auch in Fragen mit „wie“ oder „warum“.

    Wieso ist das „was“ die Substanz? (das Göttliche lasse ich mal außen vor, das es schwer nachzuweisen ist, es sei denn man ist Metaphysiker).

    Und wenn das „was“ die Substanz ist, was bedeutet das für den Fragende? Hat es irgendeine Relevanz? Hilft uns das aus dem Fliegenglas?

    In der Hoffnung, dass die Antwort in meiner Frage enthalten ist und Du sie hierin auch erkennst verbleibe ich…

    Es ist sicher auch wichtig, die richtigen Fragen zu stellen.

    ​Oder? Kann es denn richtige oder falsche Fragen geben?

    #2372
    RainerRainer
    Verwalter

    Behauptungen

    Vorab noch einmal meine These:
    ​Die Philosophie dient nicht dazu mein Wissen aufzufüllen, sondern mit ihren Inhalten soll sie mir helfen meine Fragen zu stellen und evtl. zu beantworten. Sie ist also Werkzeug und nicht Wahrheit!

    ​Das „WAS“ steht sowohl stellvertretend für die anderen Fragewörter als das WAS auch Inhalt und Substanz meiner Frage ist.
    ​WAS ist der Inhalt meiner Frage, es ist der Stoff, das Zentrum. Ohne das WAS wäre die Frage (wie schon einmal behauptet) leer.
    ​Stoff und Sammlung (von Ideen) sind die Substanz der Frage – der Kern der Frage ( und das erst mal ohne Metaphysik!).

    Natürlich hilft die Interpretation der Frage bzw. der Frage nach der
    Frage aus dem „Fliegenglas“ und ist für den Fragenden von Bedeutung,
    weil es das Problem einzukreisen beginnt (und die Nahsicht auf das
    Glas ermöglicht – ich sehe nicht nur durch das Glas hindurch).

    Wichtig ist hierbei auch die Arbeit, das Erarbeiten des zu Erkennenden.
    Philosophie ist nicht Physik, es ist so bis zu einer neuen Erkenntnis,
    sondern sie ist das Annähern über das Befassen auf einen Moment
    der Sicht, als Moment der Stellungnahme aber vor allem des Weiter-
    entwickelns der Fragestellung –
    Anrwortsuchen als Fragenstellen.

    #2373
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Gegenrede

    Ich verstehe jetzt, dass das „was“ inhalt und Substanz Deiner Fragen ist, gleichviel um welche Frage es geht.
    Interessant finde ich den Dualismus Frage mit Substanz gegenüber der leeren Frage. Was ist überhaupt eine „leere“ Frage. Gibt es die? Hat eine solche Frage Relevanz, wenn ja, welche? Wie sähe solch eine Frage überhaut aus? (Beispiel)

    Übrigens klingt der Begriff „leere Frage“ für mich ganz positiv, klingt nach Offenheit, nach noch nicht implizierter Antwort. Und- nur mal nebenbei- finde ich es witzig, dass bei Spinoza die Substanz das göttliche (allumfassende) ist. Bei den Yogis ist Gott das Leere, das Unmanifeste. Vielleicht wäre die leere Frage für die Yogis vielleicht eine göttliche, wie für Spinoza eine Frage mit Substanz das Göttliche ist. Oder im Zen, da redet man vom Anfängergeist, das ist ein leerer, offener Geist, ohne Konstrukte. „Wenn euer Geist leer ist, ist er stets für alles bereit; er ist offen für alles“ heißt es bei Suzuki. Vielleicht ist ja die leere Frage ja ´ne ganz tolle Sache, die es zu kultivieren gilt.

    ​Oder meinst Du ganz einfach eine rhetorische Frage?

    ​ Natürlich hilft die Interpretation der Frage bzw. der Frage nach der
    Frage aus der „Fliegenglas“ und ist für den Fragenden von Bedeutung,
    weil es das Problem einzukreisen beginnt (und die Nahsicht auch das
    Glas ermöglicht – ich sehe nicht nur durch das Glas hindurch).

    kann ich mir vorstellen, daß man eine leere Frage benötigt, um von der Nahsicht zum Ausgang zu kommen, in dem Sinne, dass alle Konstruktionen, Selbst- und Weltbilder über den Haufen geworfen werden, um mit Anfängergeist zu sehen, was „ist“.

    ​ Wichtig ist hierbei auch die Arbeit, das Erarbeiten des Zuerkennnenden.
    Philosophie ist nicht Physik, es ist so bis zu einer neuen Erkenntnis,
    sondern sie ist das Annähern über das Befassen auf einen Moment
    der Sicht, als Moment der Stellungnahme aber vor allem des Weiter-
    entwickelns der Fragestellung –
    Anrwortsuchen als Fragenstellen.

    Weiterentwickeln und vielleicht auch verwerfen…………..o.k.

    ​ …, mein Text ist der Versuch das angedeutete Problem
    in Worte zu fassen und dabei habe ich unseren wichtigsten Dissens:
    die Metaphysik hier nur bestrichen.

    ​geschenkt, lassen wir das mal außen vor.

    Wenn ich einen Glauben habe, dann ist es dieser: Es gibt keine endgültigen Antworten. Wir Menschen können die absolute Wahrheit für alle gültige nicht finden und schlimm ist es, wenn wir dennoch glauben, sie gefunden zu haben. Dann haben wir uns nämlich vermutlich verrannt. Dieser Verrennen ist aber nicht nur doof sondern auch mordsgefährlich, s. Kreuzzüge, IS Terror usf. Bei den meistem Menschen führt es glücklicherweise nur zur spießigen Borniertheit. Auf jeden Fall sehr unerfreulich. Darum betreibe ich auch neben der Beschäftigung mit Zen u.a. auch Philosophie. Für mich sind Fragen ein Versuch der Sklerotisierung des Denkens zu entgehen. Ob es gelingt, ist naturgemäß fraglich. Das schöne an der Philosophie ist jedenfalls für mich, dass jede Antwort auf ihre Fragen in Paradoxa oder Widersprüche führt.

    Es ist sicher auch wichtig, die richtigen Fragen zu stellen. Aber welche sind das? Wenn ich auch einem fixen Weltbild heraus Fragen stelle, ist mein Fragen ein Suchen nach einer Antwort, die in mein rigides Weltbild paßt. Dann frage ich quasi vom „Gesuchten“ (von dem her, was in mein Weltbild paßt)her. Dann kann ich den Weg aus dem Fliegenglas nicht finden, weil ich nur fliiegenglasimmanent frage.

    Ferner sind die in einer Gesellschaftlich gefundenen und akzeptierten Antworten auf die Fragen der Zeit den bestehenden Machtverhältnissen (bzw. deren Negation) geschuldet. Die Frage ist, ob nicht auch die Art des Fragens damit zu tun hat und die Antwort vorwegnimmt. Können wir da aussteigen, merken wir überhaupt, dass es so ist, wenn es so ist?

    bei sovielen Fragen zum Fragen denke ich, dass Fragen eine unendliche Geschichte ist
    also nicht
    1.Frage
    2.Antwort
    3.Frage

    sondern

    1.Frage
    2.Frage zur Frage
    usw.

    ​Kann es denn richtige oder falsche Fragen geben?

    #2374
    RainerRainer
    Verwalter

    Behauptungen

    Ja, es gibt richtige und falsche Fragen. Ob sie das eine
    oder andere sind wird sich aber erst am Ende (mit der
    Antwort) herausstellen.
    Das Adjektiv richtet sich nach der Effizienz der Frage,
    hinsichtlich der eingesetzten Energie und ihrer Wirkung.
    Je näher die Frage an ihrer eigenen Substanz ist,
    desto eher ist die Frage richtig!

    #2375
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Gegenrede

    „Effizienz“? Das ist ein Begriff aus der Wirtschaft! Gibt es den Begriff in der Philosophie? Geht es heute in der Philosophie schon zu wie in der Wirtschaft? Ist das der „Neoliberalismus, der uns alle im Griff hat?“ ( Adam Szymczyk, Documentachef)

    Übrigens hatte ich auch erst gedacht, die Antwort müsse zeigen, wie die Qualität der Frage sei. Aber genau daran sind mir erhebliche Zweifel gekommen. Warum sollte das so sein? Würde das nicht implizieren, dass es das „Richtige“, das „Wahre“ gibt, dass nur freigelegt werden muss? Also doch wieder Metaphysik. Jedenfalls bedarf diese These aus meiner Sicht eine kräftige Unterfütterung. Wie soll das „Herausstellen“ geschehen?“

    Die Vorstellung vom „Herausstellen“ (Rainer) der richtigen Antwort ist ein schwieriges Gebiet. Wie kommt man hier weiter ohne Metaphysik. M.E. hat Heidegger dies versucht im Humanismusbrief. Heidegger denkt hierin Wahrheit als Unverborgenheit (Aletheia)*. Allerdings stellt sich die Unverborgenheit bei Heidegger nicht heraus, sondern sie „ereignet sich vom Sein her„.

    *Philosophischer Hintergrund: Heideggers seinsgeschichtliches Denken

    Der Brief ist bestimmt durch einen zentralen Gedanken Heideggers über das Wesen der Wahrheit. Heideggers Wahrheitsbegriff hat sich nach seinem Umdenken, welches er selbst als Kehre bezeichnete, gegenüber seiner frühen Philosophie in Sein und Zeit wesentlich verändert. Heidegger denkt nun Wahrheit als Unverborgenheit (Aletheia), die sich vom Sein selbst her ereignet. Wahrheit ist damit nicht mehr etwas, das der Mensch durch Anwendung von Kategorien oder durch Befolgen einer bestimmten Methodik herstellen könnte. Das Sein selbst ver- und entbirgt sich zugleich in der Unverborgenheit, so nämlich, dass sich das Sein des Seienden entbirgt und das, was ist, sich aus einer bestimmten Perspektive zeigt und sich jedoch gleichzeitig der Entbergungsprozess verbirgt, d. h. dem Menschen nicht zum Problem wird, da er sich nur beim Entborgenen aufhält. Diesen Entbergungs- und Verbergungsprozess des Seins im Ereignis nennt Heidegger die „Wahrheit des Seins.

    Heidegger denkt nun den Menschen im geschichtlichen Bezug zu diesem Prozess: Das Sein ent- und verbirgt sich in verschiedenen geschichtlichen Epochen und eröffnet damit eine Welt als sinnhafte Totalität, so wie man etwa umgangssprachlich von „der Welt der alten Griechen“ oder „der Welt der Bäuerin“ spricht. Philosophiegeschichtlich bildet sich dieser Prozess in der Metaphysik ab. So kann die durch das Sein eröffnete Welt beispielsweise eine als von Gott geschaffene sein oder, wie bei Kant, eine durch das transzendentale Subjekt ‚zusammengesetzte‘. Da Heidegger selbst das Konzept eines Subjekts ablehnt, bringen aber die Philosophen die großen metaphysischen Entwürfe nicht hervor, sondern entsprechen nur dem vom Sein her Ereignetem. Es fundiert also die „Wahrheit des Seins“ – der Entbergungsprozess im Ereignis – die metaphysischen Bestimmungen des Sein des Seienden. Weil aber die Metaphysik lediglich das Sein des Seienden bestimmt, kann sie diesen Fundierungszusammenhang nicht in den Blick bringen; sie vergisst, dass für jede Bestimmung des Seienden dieses zunächst in der Unverborgenheit angekommen sein muss. Für Heidegger ist daher die Metaphysik seinsvergessen. Dies ist sie jedoch nicht aus einer Verfehlung des Menschen heraus, sondern weil sich das Sein, wenn es sich zeigt, so zeigt, dass der Entbergungsprozess selbst verborgen bleibt. Mit anderen Worten: der Mensch hält sich stets schon beim Seienden auf, ohne dass ihm deshalb zum Problem wird, warum dies überhaupt ist.

    Für Heidegger ist diese Seinsvergessenheit wesentlich für das gesamte abendländische Denken in Form der Metaphysik. Die Geschichte der Metaphysik, die durch den niemals explizit gewordenen Grund der Wahrheit des Seins bestimmt ist, nennt Heidegger Seinsgeschichte. Sie ist geprägt von verschiedenen Epochen, in denen die Metaphysik nach dem Sein des Seienden gefragt und das Sein als oberstes und göttliches Seiendes bestimmt hat. Dagegen versucht Heidegger, das Sein vom Ereignis her zu denken. Das Sein soll jetzt nicht mehr verdinglicht vor-gestellt werden, sondern ursprünglich als es selbst vor jeder Auslegung erfahren werden.[2]

    “ Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_%C3%BCber_den_%C2%BBHumanismus%C2%AB

    #2376
    RainerRainer
    Verwalter

    Behauptungen

    Hier vorab die Thesen ​zum Thema „richtige Fragen“?

    Wenn ein Kleinkind laufen lernt, ist die Richtung, Intensität oder
    Ausdauer erst mal ohne Belang – Juhuu, das Kind läuft.
    Fängt es an zu sprechen, erst lallend dann fragend ist die
    Freude groß – es gibt keine falschen Fragen, kein richtig oder
    falsch, nur die Antworten könnenes sein.

    Läuft das Kind ohne festhalten, eigeninitiativ, zielgerichtet oder
    nicht, bedarf es leichter Führung und Vorsicht – das Kind wird
    freier in seiner Mobilität und entscheidet.
    Fragt das Kind gezielt und die allgemeinen und physikalischen
    Dinge des umgebenden Lebens sind geklärt, kommen die
    Fragen des Selbsterkennens – wer bin ich, was unterscheidet
    mich von anderen.

    Aus dem Sinn der Sache „Laufen“ , „Fragen“ (sprechen) wird
    langsam Ziel, Orientierung und Fundament.

    Hier beginnen die Adjektive „richtig oder falsch“ zu greifen –
    es geht um die Inhalte.

    Nennen wir die Inhalte nicht „Effizienz“ (weil zu ökonomisch –
    stört mich aber nicht) sondern wirksame Antwortsuche.
    Das Werkzeug wird zweckgebunden (ganz im Sinne von Heidegger),
    es wird ohne Umwege seiner Aufgabe zugeführt.

    Die falschen Fragen führen zu Geschwätz, zeit- und raumfüllend.
    Keine Norm, Fremdbestimmung entscheidet über die Richtigkeit
    einer Frage, sondern nur das Ziel des Fragenden.

    Die Wirkung der richtigen Frage orientiert sich an zwei Aspekten:
    HIlft sie mir weiter zu fragen oder stellt sie schon die Vorstufe einer
    ​Antwort dar.

    Sprung zur Gegenrede

    ​Wäre die Philosophie Religion, gäbe es die oder eine Wahrheit,
    das Wahre, das Richtige, das Endgültige.
    Bei meinem Denken ist die Antwort nichts endgültiges.
    Die Antwort ist der Versuch einer Schlussfolgerung aus einer
    Frage. Sie kann das Fundament für die Folgefrage sein.

    Das Entrinnen aus dem Fliegenglas ist kein metaphysisches
    Erlebnis (dann könnte man auch Cannabis nehmen)
    sondern das Erkennen des Anders-wo-seins (außen oder
    innen).
    Eine diesbezügliche Antwort wird zu anderem Verhalten
    oder / und Einsatz von „Werkzeugen“ führen (z.B. zum Zer-
    trümmern des Glases) – zur Erkenntnis vo Freiheit und
    Unfreiheit.
    [Über das Thema „Freiheit“ möchte ich im dritten Teil
    unserer Diskussionsrunde mit Dir reden.]

    #2377
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Gegenrede

    Wäre die Philosophie Religion, gäbe es die oder eine Wahrheit,
    das Wahre, das Richtige, das Endgültige.

    ​ Da widerspreche in energisch!
    Es gibt die „eine Wahrheit“ auch in der Philosophie. Für Plato und Nachfolger gibt es Gute, das Schöne, die Wahrheit.
    Die höchste Idee ist bei Platon die Idee des Guten. Sie ist das Ziel und der Sinn menschlichen Handelns. Das Wesen von allem wird erst durch das Gute erkannt. Es gibt also eine Wahrheit und auch einen ethischen Hintergrund der platonischen Metaphysik. Nicht zu Unrecht hat Nietzsche das Christentum als „Platonismus fürs Volk“ bezeichnet. Gott ersetzt das Gute.
    Aber im Prinzip nimmt sich das nicht viel.

    Im deutschen Idealismus wird zwar nicht mehr nach objektiver Erkenntnis gesucht, sondern die subjektiven Bedingungen der Erkenntnis des Menschen untersucht. Man versucht aber dennoch zu „absolutem Wissen“, Kant, Fichte, Hegel) zu kommen.
    Bei Kant gelten die Inhalte der Erkenntnis nur bezogen auf das erkennende Subjekt, dieses selbst ist nun absolut ist und darum hat auch die (für das absolute Subjekt gültige) Erkenntnis ebenfalls absolute Geltung.

    ​ Bei meinem Denken ist die Antwort nichts endgültiges.
    Die Antwort ist der Versuch einer Schlussfolgerung aus einer
    Frage. Sie kann das Fundament für die Folgefrage sein.

    ​Jetzt natürlich auch hier mal die Gretchenfrage: „Wer fragt“, „Wer antwortet?“ Das Subjekt?

    ​ Nennen wir die Inhalte nicht „Effizienz“ (weil zu ökonomisch –
    stört mich aber nicht) sondern wirksame Antwortsuche.
    Das Werkzeug wird zweckgebunden (ganz im Sinne von Heidegger),
    es wird ohne Umwege seiner Aufgabe zugeführt
    Die falschen Fragen führen zu Geschwätz, zeit- und raumfüllend.
    Keine Norm, Fremdbestimmung entscheidet über die Richtigkeit
    einer Frage, sondern nur das Ziel des Fragenden.

    Die Wirkung der richtigen Frage orientiert sich an zwei Aspekten:
    HIlft sie mir weiter zu fragen oder stellt sie schon die Vorstufe einer
    Antwort dar.

    ​ Es gibt also ein hilfesuchendes Subjekt, dem geholfen werden sollte oder könnte. Das Werkzeug hierzu ist die Frage. Ist das Werkzeug/die Frage „richtig“ hilft sie dem Subjekt (weiter zu fragen oder durch die Vorstufe einer Antwort).
    ​Ist das dann nicht eher Psychotherapie als Philosophie?

    #2378
    RainerRainer
    Verwalter

    Behauptungen

    Philosophen sind Figuren auf einem Spielbrett. Ihre Aussagen sind
    Puzzle auf dem Weg der Erkenntnis.
    Als ich noch in Gaststätten verkehrte, wußte ich, dass man nicht die
    Glocke schlagen durfte, da das eine Lokalrunde kostete. Obwohl ich
    das Spiel kannte, scherte ich mich nicht um diese Regel, es war nicht
    meine – meistens konnte ich argumentierend der folgenden Sanktion
    entgehen.
    Platon ein weiser Mann, wohl – doch kann es sein, ich denke weiter,
    respektive anders…

    ​Eine Frage findet nie eine Antwort die 100% deckungsgleich ist.
    Da eine Antwort substanziell (stofflich) etwas anderes als eine
    Frage kann es nur Annäherungen, Ähnlichkeiten aber keine
    Identitäten geben – daher erbibt sich auch niemals die Wahrheit
    aus einer Frage.
    Je näher die Frage an ihrer eigenen Substanz ist,
    desto eher ist die Frage richtig!
    Denn die Substanz der Frage ist evtl. die Antwort – das WAS!

    Sprung zur Gegenrede

    ​Bleibt eine Frage immer eine Frage oder
    gibt es eine Metamorphose der Frage in eine Antwort
    und wie unterscheiden sich Frage und Antwort?

    Könnte es sein das die Frage nur ein Abbild der Antwort ist?
    Ein Transformation – die Antwort gibt es tatsächlich ohne unsere
    Frage – mit der Frage versuchen wir uns ihrer „Wirklichkeit“
    anzunähern. Es erinnert an die mathematische Operation des
    „Limes gegen Null oder Unendlich“ – der Aufwand für die Annäherung
    wird umso höher je dichter man dem Ziel kommt – ohne es
    je zu erreichen
    (…“es waren zwei Königskinder, die hatten einander
    so lieb, sie konnten einander nicht kommen, denn das Wasser, es
    war zu tief…“).

    Wenn aber Frage und Antwort etwas völlig differentes sind, dann
    ist auch der Versuch die Wahrheit zu erfahren nicht möglich!
    Möglich ist mit Fragen nur beschreibend Teile der uns umgebenden
    Welt aufzuzeigen: Ist es das? Ist es etwas hiervon oder davon?
    Da es niemanden gibt, der die Fragen beantwortet oder kann,
    muss die Frage schon die Antwort ersetzen.

    Die Philosophie beschreibt also die Wirklichkeit, indem sie sie
    fragend erfasst, beschreibt und hilft die Distanz zu überwinden.
    Dazu muss man lernen zu fragen!

    #2379
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Gegenrede

    Ich denke nicht, dass eine Metamorphose bei Frage und Je nach Sprachspiel ja oder nein……Ich glaube, dass es nicht die Frage und die Antwort gibt. Der Kontext (also die stillschweigende Übereinkunft zu den Regeln des Sprachspiels) gibt vor, wie sich Frage und Antwort verhalten können.Antwort stattfindet (bzw. stattfinden sollte) Frage und Antwort sind Teile eines Sprachspiels, je nach Sprachspiel unterscheiden sich Frage und Antwort von anderen Fragen und Antworten und Frage und Antwort voneinander (ein Schelm, wer an hier Wittgenstein denkt).

    ​das hat wohl weniger mit Frage und Antwort zu tun. Ob Du die Wahrheit erfährst oder nicht, hängt von Dir ab, z.B. davon, ob Du Metaphysiker bist oder die Wahrheit als eine Erfahrung des Seins betrachtest (Heidegger, Mystiker)

    Hier eröffnet sich eine weitere Frage: Wie lassen sich die Begriffe und Bezeichnungen mit des Wirklichkeit abgleichen. Läßt sich die Wirklichkeit in Begriffe, also Fragen und Antworten übertragen, gibt es eine Referenz zwischen Dingen und Namen? Wenn ja, wie läßt sich das beweisen und wer beweist den Beweis? (Ein Schelm, wer hier an Postmoderne denkt)

    Aber wer darf bestimmen, welche Frage richtig ist und welche falsch? Die Machtstrukturen im öffentlichen Diskurs oder die Subjekte (sofern man bei Habermas von solchen sprechen kann, habe ich es richtig in Erinnerung? Die Personengesammtheit im Gespräch stellen das Subjekt dar) in der Kommunikation bei Habermas.

    ​Irgendwie habe ich doch die ganze Zeit den Eindruck, dass Du mir Deinem Thema darauf hinaus willst, dass wir durch richtige Fragen „weiterkommen“, der „Wahrheit näher kommen“. Das hört sich für mich nach modernem Fortschrittsdenken an, das ich nicht recht glaube. Ein bisschen habe ich manchmal den Eindruck, dass der Schrittwechsel ein Tänzchen um das Thema ist. Vielleicht siehst Du das aber ganz anders?

    Es gibt eine Menge von Wahrheiten und Perspektiven, z.B. Du kannst eine richtige Frage stellen und ich komme dadurch auf eine Idee, die rein gar nix mit der Substanz der Frage zu tun hat, finde also eine völlig falsche Antwort und trotzdem finde ich die Idee super. Dann ist es doch gut gelaufen. Oder ich stelle eine falsche Frage und die bringt Dich auf eine super gute Idee.

    Wie wir auf Ideen kommen ist doch wurscht….und ob unsere Antworten den Fragen entsprechen auch. Eigentlich verstehe ich gar nicht, warum Du so versessen darauf bist, dass Fragen und Antworten so deckungsgleich sein sollen.

    #2380
    AvatarAndrea
    Teilnehmer

    Hier folgen wichtige Ergänzungen :

    Ich sagte, daß sich aus meiner Sicht die Philosophie der Gegenwart immer mehr dem spirituellen Denken nähert. Was ich gut finde, weil nach meiner Vorstellung dem Denken enge Grenzen gesetzt sind, nicht aber dem Bewußtsein (ich benutze den Begriff hier mehr spirituell als philosophisch).

    Meine These ist, dass die Gegenwartsphilosophie immer mehr die Grenzen des Denkens mit Begriffen ausgelotet hat. Wir können nur in der Sprache und den geschaffenen Strukturen (Logik etc.) denken und kommunizieren. Aber damit erfassen wir nicht „alles“. Wir haben aber nur diese Mittel, womit wir in der Philosophie arbeiten. Der Finger, der zum Mond zeigt, ist aber nicht der Mond.

    Wir glauben auch nicht mehr an die großen Metaerzählungen von Gott und dem „Guten und Wahren“. Denn wir haben mit Nietzsche erkannt, dass diese lediglich Mittel des Willens zur Macht waren und sind.

    Ich möchte meine These mit 2 Beispielen unterfüttern

    Wittgenstein

    Wittgenstein ist bekanntermaßen religiös gewesen, schweigt aber weitgehend über seine religiöse oder spirituelle Auf- bzw. Verfassung denn: “Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen” (Tractatus). “Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist (TLP 6.44). Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich an, es ist das Mystische”. (TLP 6.522) Das“Mystische”zeigt sich also als das Unaussprechliches an der Grenze der Wahrnehmung “der Welt als begrenztem Ganzen”.“Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit” (6.4312)

    Heidegger

    „Heidegger versucht in den Texten seines Spätwerks etwas unsagbare zu sagen. Deshalb benutzt er eine Redeweise, die halb mystisch, halb poetisch ist, die manchmal die Sprache aber auch vergewaltigt.Vielleicht sollte man die Spätwerke als Gedankenexperimente betrachten. Was Heidegger anstrebt, ist weniger eine neue Philosophie, als vielmehr eine neue Art, die Welt zu betrachten, wobei er durchaus in eine gewisse Nähe zu asiatischen Denkansätzen gerät, namentlich zum Buddhismus und mehr noch zum Daoismus“

    (Zitiert nach Siegfried König)

    buddhistischen Mystik,

    Nach der buddhistischen Lehre können wir durch Denken nicht zur „Erleuchtung“ kommen. Denn das Denken hindert uns an der Wahrnehmung dessen, „was ist“. Das Gehirn denkt halt immer, wie der Darm immer verdaut. Gedanken läßt man gehen. Wie Wolken, die den blauen Himmel verdunkeln, weiterziehen, so kommen und gehen Gedanken und ziehen am Bewußtsei vorbei.

    Was zu vermeiden ist, ist eine Identifikation des Bewußtseins mit Gedankeninhalten, weil uns dieses von der unmittelbaren Wahrnehmung wegführt in die konstruierten Welt- und Selbstbilder. Dies führt und in die Verblendung. Buddha sagt, dass ein Mensch, der sich mit seinem Körper identifiziert, närrisch ist, denn der Körper ist flüchtig und verändert sich ständig. Noch närrischer aber sind die Menschen, die sich mit ihrem Denken identifizieren. Denn Gedanken sind noch flüchtiger.

    Die Erleuchtung kommt nur in der Gedankenleere. Dann ist das Bewußtsein frei von Identifikation, ganz in seiner Natur. Sat-chit-ananda wie die Yogis sagen: Sein-Bewußtsein-Glückseligkeit.

    Wie bei Heidegger und anderen modernen Denkern gibt es auch in der buddhistischen Lehre es kein Subjekt. Das „ich“ ist ein operatives Gebilde, welches Produkt des Denkens ist, nicht Ursache. Es gibt keine Dualität zwischen Subjekt und Objekt.

    Christliche Mystik ist vergleichbar. Der Mystiker glaubt nicht an irgendetwas. Ihm geht es nur um seine Erfahrungen. Diese Erfahrungen lassen sich aber nicht wirklich mitteilen. Allenfalls durch Metaphern, z.B. von Avila „innere Burg“.

    „Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.“

    Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) in: Tractatus Logico-Philosophicus, 1922, 6.52

    “Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit” (Tractatus 6.4312). “Das Rätsel gibt es nicht” (6.5),

    “Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen. Wenn sich eine Frage überhaupt stellen lässt, so kann sie auch beantwortet werden”. (6.5)

    Vielleicht hilft es Dir auch weiter, weil Deine These doch war, dass die Antwort in der Frage enthalten sei. Bei Wittgenstein gibt es die Antwort vor der Frage, auch wenn die Frage der Antwort zeitlich voraus gestellt sein sollte.

    Innerhalb der “Logik der Welt”, müssen Antwort wie Frage die Bedingung der methodischen Vergleichbarkeit erfüllen, um sich als “richtig” zu erweisen.

    Aber was ist damit schon beantwortet………………………….

    Der Welt ein Angebot machen (von Wolfgang Held)

    „…Es ist eine der vielen alltäglichen Situationen, die dazu einladen, das zu üben, was zum Erkennen und Verstehen auch gehört: die Vermutung. Sie ist viel mehr als b1oße Spekulation, sie ist nicht willkürlich, schießt nicht ins Blaue, sondern ist ein Angebot an die Welt, eine zugewandte Frage. „Klug zu fragen,
    ist die halbe Wahrheit», sagt Francis Bacon – und tatsächlich liegt ein Begriffsangebot zwischen Frage und Antwort..“

    Wolfgang He[d

    Es ist eine der vielen alltäglichen Situationen, die dazu einladen,
    das zu üben, was zum Erkennen undVerstehen auch gehört:
    dieVermutung. Sie ist viel n’rehr als b1oße Spekulation, sie
    ist nicht r,villkürlich, schießt nicht ins Blaue, sondern ist ein
    Ansebot an die Velt, eine zugervandte Frage. uKlug zu fragen,
    ist die halbeWahlhsls», sagt Francis Bacon – und tatsächlich iiegt
    ein BegriIßangebot zrvischen Frage und Antwort.

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