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Prof. Judith Butler in Köln: Verletzlichkeit menschlicher Subjekte

von Andrea

Vom 20. bis zum 23. Juni 2016 weilt die Philosophin und Philologin Judith Butler als Albertus-Magnus-Professorin an der Universität Köln.

Die Uni Köln hat 2005 die Albertus-Magnus-Professur eingerichtet, mit welcher sie des mittelalterlichen Universalgelehrten Albertus Magnus gedenkt, der Mitte des 13. Jahrhunderts die Generalstudien des Dominikanerordens in Köln leitete und als einer der geistigen Väter der 1388 gegründeten Universität gilt.

Judith Butler ist Professorin für Rhetorik und Komparatistik an der University of California, Berkeley und weltweit bekannt insbesondere durch ihre Arbeiten zur feministischen Theorie.

Berühmt wurde sie durch ihr 1990 veröffentlichtes Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ (original: Gender Trouble) . In diesem Buch kritisiert sie den bisherigen Feminismus der Differenz, der lediglich einen Gegenentwurf zum Patrarchismus vorsehe und Optionen auch der Frauen beschränke.

 Sie schlägt dagegen vor, das soziale Geschlecht (gender) als Performance zu betrachten. Das männliche und weibliche Verhalten entstehe über soziale Prägung, es werden Muster übernommen und versucht, diese zu leben. Aber diese seien nicht bereits biologisch festgelegt. Über Verhaltensweisen werde der Charakter eingeübt, der als typisch männlich oder weiblich angesehen wird. Aber nicht aus dem Charakter folgen die Ausdrucksweisen, es sei vielmehr umgekehrt: Die einstudierten Muster formen den Charakter.

In Köln widmete Butler zwei Vorlesungen den Themen  der Verletzlichkeit menschlicher Subjekte und der Frage, warum manche Leben als betrauerbar erscheinen und andere nicht.

Aus Letzterem leitet sie eine Ethik der Gewaltlosigkeit ab, die sie am Montagabend ausführte. Ob ein Leben als betrauerbar angesehen wird oder nicht, ist für Butler ein rassistischer Diskurs. Mittelmeerflüchtlinge und der Afroamerikaner Eric Garner, der 2014 im Würgegriff eines New Yorker Polizeibeamten auf offener Straße starb, haben gemeinsam, dass sie durch ein „historisch-rassisches“ Schema beschrieben werden, das von weißen Männern formuliert wird, ein Gedanke, den sich Butler von dem antikolonialen Psychiater Frantz Fanon entlehnt. Um aber sicherzustellen, dass auch diese Leben als betrauerbar gelten, fordert Butler, dass Gewaltlosigkeit zur Norm wird.

http://www.taz.de/!5316112/

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